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Definition der Gerechtigkeit und Allgemeines

Gerechtigkeit ist ein idealer Zustand des sozialen Miteinanders, indem es einen angemessenen, unparteilichen und einforderbaren Ausgleich der Interessen und der Verteilung von Gütern oder Chancen zwischen den beteiligten Gruppen oder Personen gibt. Gerechtigkeit ist eine Art Erwartungswert, der teilweise oberflächlich ist. Der Mensch ist ein kooperatives Wesen. In kooperativen Organisationen besteht die Gefahr der Ausbeutung durch einzelne. Das ist gefährlich für das gesamte System. Konkurrenz ist ein sittlicher Imperativ: solange die Mittel verbleiben, sollen sie ihren nächsten in den Ruin treiben. Konkurrenz, Wettbewerb, Strategie und Verteilung treiben die Gerechtigkeit an den Abgrund jeder Moralvorstellung. Eine Mehrheit der Bundesbürger unterstütze die soziale Marktwirtschaft nicht mehr, so die TAZ, Tageszeitung. Die Menschen würden nach Gerechtigkeitsfragen und der Hinweis auf die ökonomische Leistung würde überhaupt nicht reichen, um zufrieden stellend zu antworten. Es hat mit grundsätzlichen Problemen zu tun, denn unsere ethischen Vorstellungen wie Teilen, Mitleid und Solidarität stammen aus einer Gesellschaft aus der Zeit vor dem Kapitalismus. Der Wettbewerb ist ein zentrales Element der Marktwirtschaft und kann die Lage der Menschen dramatisch verbessern oder auch verschlechtern.

Gerechtigkeit und Wirtschaft

Ökonomie ist eine selbstständige, von der Moral Philosophie getrennte Wissenschaft. Sie hat die Frage nach Gerechtigkeit in einem umfassenden Sinne ausgeblendet. Eine Tauschgerechtigkeit im Sinne von einer Wertgleichheit von Leistung und Gegenleistung bildet die Grundlage der Wirtschaft und der Wirtschaftsethik. Wachstum und Fortschritt sind Zauberworte (nach Adam Smith), die an die Stelle des Streits um die Verteilung eines gegebenen Reichtums treten sollen. Die Gerechtigkeitsfrage erscheint daher in dieser Sichtweise nicht nur analytisch störend, weil sie die Nationalökonomie unter das Kuratel, also die Oberherrschaft, der Moralphilosophie stellt, sondern auch als praktisch überflüssig, weil gerade vom Wachstum die ärmeren Schichten der Bevölkerung einen besonders großen Nutzen ziehen. Soziale Konflikte und gesellschaftliche Umwälzungen zeigen, dass das Thema Gerechtigkeit nie ganz abgeschlossen oder eindeutig genormt sein wird. 

Lohngerechtigkeit

sollen ältere Menschen mehr verdienen als junger Menschen? Soll man in der Holzbranche weniger verdienen als als Bänker? Ist es gerecht, dass Frauen 22 % weniger verdienen als Männer? Verdienen Akademiker mehr Geld als Fachschul- Absolventen? Und warum ist es egal, wie groß eine Klasse ist, in welchem Alter die Schüler sind, wie hoch der Stress-und Erziehungsfaktor ist und welches Fachwissen benötigt wird, wenn man die Entlohnung eines Lehrers betrachtet und neu verteilen würde? Bei Fragen nach der Lohngerechtigkeit muss man sich an folgende Kriterien halten: Markt, Leistung, Situation, Aufwand und Bedarf. Die Produktivität der Branche ist ausschlaggebend für den Lohn der einzelnen Arbeiter. Wir befinden uns beim Kriterium Markt. Das Leistungsprinzip besagt, dass Gleicher Lohn für gleiche Leistung ausgezahlt werden sollte. Das Kriterium der Situation erfordert, dass der Lohn sich nach den unterschiedlichen Lebenshaltungskosten in verschiedenen Städten und Regionen bemessen müsste. Ein Kriterium, das heute tatsächlich gilt, ist der Aufwand. Der Lohn vergütet Anstrengungen zum Beispiel für die Ausbildung. Je länger die Ausbildung gedauert hat, je mehr ist man qualifiziert, je höhere Chancen auf hohen Lohn hat man. Das letzte Kriterium bei den Fragen der Lohngerechtigkeit ist der Bedarf. Hier sollte berücksichtigt werden, welche soziale Verpflichtungen ein Arbeitnehmer hat. Dabei geht es um Familie, Kinder, eventuell deutlich erschwerter Fahrt Weg und so weiter. Nach Wirtschaftsbereichen sortiert, verdienen Arbeitnehmer in der Branche des Kredit-und Versicherungsgewerbes am meisten, arbeiten aber deutlich weniger als Arbeitnehmer im Bereich des Bergbaus oder der Nachrichtenübermittlung. Das Baugewerbe steht, finanziell gesehen, mit seinem Bruttomonatsverdienst, relativ weit unten. Arbeitnehmer im Bereich der Erziehung, des Sozialwesens, des Grundstücks-und Wohnungswesens und des Dienstleistungsbereiches sowie der Energie-und Wasserversorgung stehen im durchschnittlichen Bruttomonatsverdienst ohne Sonderzahlungen höher als Arbeitnehmer des Baugewerbes.

Verteilungsprinzipien

es gibt die aristotelische Verteilung, die austeilende Gerechtigkeit (Distributive)  und die ausgleichende, korrektive Gerechtigkeit. Die aristotelische Verteilung besagt, dass jedem das seine zusteht. Je nach Bedürfnis, Verdienst, Leistung, erworbene Rechte oder Verhandlungsbasis soll jeder das Seine bekommen. Die ausgleichende Verteilungsgerechtigkeit ist gleichzeitig auch die korrektive Gerechtigkeit. Wie funktioniert wechselseitig: Schadensansprüche, Zivilrecht und Bestrafung als Ausgleich werden hier als Operatoren der Gerechtigkeit behandelt. Die austeilende Verteilungsgerechtigkeit, also die distributive Verteilungsgerechtigkeit vereint beide Verteilungsregeln: die aristotelische und die ausgleichende. Als letztes gibt es noch die egalitäre Verteilung. Sie sollte im Zweifelsfall immer angewendet werden. Sie besagt, dass jeder das gleiche bekommt, unabhängig von allem, was als möglicher Verteilungsfaktor gelten könnte.