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Bestandteile der Fuge

Die Fuge ist ein mehrstimmiges Instrumentalstück, welches auch als vokales Werk vorkommen kann. Durch die charakterisierende Polyphonie und ebenso polyphone Setzweise ist sie eine der renommiertesten und auch kompliziertesten Gattungen des Barocks. Johann Sebastian Bach gilt als ihr Erfinder und somit als musikalisches Genie, da die Fuge strengen Prinzipien folgt und logisch erklärbar ist, dennoch gleicht keine Fuge einer anderen. Jede einfache Fuge verfügt über bloß ein Thema, welches sehr ausgeschmückt und koloriert beginnt und dann weniger prägnant weiter verläuft. Das Thema wird Dux genannt, wenn es in seiner Grundgestalt in der Tonika ausgeführt wird, darauf folgt die Beantwortung des Themas, welche als Comes bezeichnet wird. Der Comes entsteht meist in der dominantischen fünften Tonstufe und verändert aus tonalen Gründen Quartsprünge in Quintsprünge und wird begleitet von einem sogenannten Kontrapunkt. Der Kontrapunkt selbst ist nicht nur die Begleitung der Fuge und ein Schema der Gegenbewegung, er ist auch ein Element der Musiktwissenschaft und es gibt ganze Sammlungen von musiktheoretischen Werken und Ausarbeitungen über Kontrapunktik. Der dritte Einsatz des Themas nach dem Comes erfolgt wieder in der Tonika, es wird also eine sogenannte Rückmodulation durchgeführt. Das Ganze bisher beschriebene nennt sich Exposition. Nach der Exposition der Fuge folgt das Zwischenspiel, welches als modulierendes Zwischenspiel betrachtet wird. Es beinhaltet zwar kein Thema, dennoch aber thematische Substanz bzw. verschleierte Verarbeitungen und Andeutungen dessen. 

Der weg zur Vervollkommnung

Stück für Stück setzen die übrigen Stimmen ein, bis es sich um eine drei bis vierstimmige Fuge handelt. Legt die zweite Stimme die Antwort fest, beginnt die erste Stimme mit einer melodischen Line, welche zu Antwort passt und so entsteht die Kontrapunktik. In diesem Fall wird das Kontrasubjekt genannt und vertauscht der Komponist, wie Johann Sebastian Bach es ab und zu auch gelang, erhält man einen doppeltne Kontrapunkt. Diese Vielstimmigkeit zu managen und alle Durchführungen, Zwischenspiele, den Comes, Dux, Krebs oder Umkehrung mit in die Fuge einzubringen und so ein musikalisches Thema auf alle nur irgend möglichen Aufführungsformen und Verarbeitungsmöglichkeiten zu untersuchen und zu variieren – das ist wahre Kunst. Im zweiten Teil der Fuge scheint das Thema von Stimme zu Stimme immer mehr nach vorne zu wollen, als suche es sich den einfachsten Weg. Eine Art Jagd der verschiedenen musikalischen Stimmen ist erkennbar. Kurze (Solo-)Episoden und Überleitungen bewegen es gleichzeitig noch von einer Tonart in die nächste, ein ständiges Sequenzieren und Modulieren geschieht im Verlauf der Fuge – und hierbei gibt es weder Kadenzen, Generalpausen noch lange Fermaten. Der Komponist verändert seine Subjekte und Themen durch Augmentation oder Diminution, also dadurch, dass er es verlängert oder verkürzt. Bei der Verlängerung, also Augmentation, wird aus einer Viertelnote beispielsweise eine halbe Note und bei der Verkürzung, also der Diminution, wird aus einer Viertelnote eine Achtelnote. Das ganze Thema oder die Durchführung oder auch der gesamte Part der Fuge wird dann proportional an Tempoveränderungen angepasst. Durch Engführungen wirken Fugen noch prägnanter, ausgeschmückter oder energiereicher. Das anfängliche Vorstellen und Beantworten des Themas und der in dieser Fuge verarbeiteten musikalischen Motive und Melodien wird durch Mehrstimmigkeit und Stilmittel zu einem eher rasanten, polyphonen Meisterwerk.

Fügt man ein oder zwei neue Themen ein, kompliziert sich die Fuge und der Weg zur Vervollkommnung ist dann endgültig geschaffen: Es handelt sich je nach Themenzusatz um Doppel- oder Tripelfugen. Am Schluss kehrt die Fuge wieder zur Ausgangstonart zurück und gibt ein beruhigendes Ende, hinterlässt dennoch Begeisterung über die Genialität dessen, was der Komponist geschaffen hat. Viele Komponisten sagen sich untereinander, die Fuge sei die mit Abstand schwerste zu komponierende Gattung überhaupt. 

J. S. Bach und die Fuge

Bach verwendet die verschiedensten Fugenarten und variiert diese mehrfach. Dies ist zu sehen in der „Kunst der Fuge“, eine Sammlung von vierzehn Fugen und vier Kanons. Die Erstausgabe der Kunst der Fuge ist ebenso wie die Handschrift des großen Komponisten erhalten. Bis zur elften Ausgabe überwachte der Komponist persönlich den Druck seines Werkes, um in der nächsten Auflage immer wieder Reihenfolgen zu verändern, da er trotz Vollendung seiner Fugen und Kanons immer wieder neue Zyklusgedanken bekam und interessiert daran war, ob seine Musik dann anders aufgefasst oder behandelt wird, wenn man sie in anderer Reihenfolge präsentiert. Allerdings fühlte auch Bach sich dort ein wenig einegschränkt, da die kontrapunktische Schwierigkeit von Fuge zu Fuge immer mehr ansteigt und Gegenfugen mit dem Comes als Umkehrung beispielsweise, die Viruosität jedes Klavierspielers und jedes Organisten herausfordert. In seiner "h-moll-Messe" im „Credo“ verwendet Johann Sebastian Bach an der Stelle des et incarnatus est einen fugenähnlichen Abschnitt, welche wenige Takte ausfüllt, aber die charakteristischen Klangerzeugnisse einer Fuge an den Hörer trägt. 

Nach der Zeit des Barock galt die Fuge zwar als veraltet, doch viele nachfolgende Komponisten versuchen sich noch heute an der Komposition von Fugen. Unter anderen versuchten bereits Mozart und Beethoven daran, durch eine Fugenkomposition ihre eigene Kompositionsfähigkeit unter Beweis zu stellen.



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